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Kurzbericht zum Separationsprojekt
»Brillenträger sind schuld«

Ohne Brille in die Bibliothek

»Ihr seid doch dummes Gesindel«, empört sich ein älterer Herr, als er am Mittwoch Vormittag die Universitätsbibliothek besuchen will und dort einen separaten Eingang benutzen soll, weil er eine Brille trägt!

Die jungen »Ordner« vor der Sächsischen Landes- und Universitätsbibliothek (SLUB), alle in schwarzer Kleidung und mit rot-weißen Armbinden, wirken sehr entschlossen. Sie tragen Plakate mit Aufschriften wie »Schnauze voll – Brillenträger raus aus der SLUB« oder »Brillenträger nehmen uns die Arbeitsplätze weg«. Die beiden Zugänge zur Bibliothek sind mit Absperrband getrennt und markiert: einer für Menschen mit Brille und einer für die ohne.

»Das ist ja Diskriminierung«, stellt ein Studierender schockiert fest. Eben. »Genau darum geht es uns«, sagt Claudia Gersdorf von der politischen Hochschulgruppe UNIRATIO, die einer der Initiatoren der Aktion ist. »Wir wollen zeigen, wie willkürlich Menschen aufgrund äußerer Merkmale in unserem Lande ausgegrenzt wurden und werden. Wir wollen durch überspitzte Parodie provozieren und wachrütteln.«

UNIRATIO ist eine Gruppe engagierter Wissenschaftler an der TU Dresden, bestehend sowohl aus Studierenden als auch Mitarbeitern verschiedener Fachbereiche. »Unser Ziel ist es, Bewusstsein zu wecken und sich fremdenfeindlichen Vorurteilen aktiv entgegenzustellen.«

Doch von den mehr als tausend Personen, die so innerhalb weniger Stunden separiert werden, bringen nur die allerwenigsten die Courage auf, Widerstand zu leisten. »Zum Glück trage ich ja keine Brille«, meint ein Kommilitone und begibt sich leichten Herzens zu der für ihn vorgesehenen Tür. Ein anderer nimmt seine Brille verstohlen ab. Die Reaktionen reichen von Verwunderung und Belustigung über Ignoranz bis hin zu Wut.

Im Bibliotheksfoyer erfahren die Besucher jedoch durch Handzettel und eine Ausstellung zum Thema Fremdenfeindlichkeit und Rassismus in Sachsen die Hintergründe des Projekts. Angesichts der aktuellen Debatte um no-go-areas in Ostdeutschland »eine gute Sache«, findet schließlich nicht nur der anfangs entrüstete ältere Herr.

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zuletzt aktualisiert: 23.09.2015